Tag 7: Go, Blue Jackets! (Columbus, Ohio, USA)

Der heutige Tag, war der bisher mit Abstand intensivste.


Nachdem wir - Becky, Rick und ich - gestern bis in den heutigen Tag hinein geredet haben, war die Nacht ziemlich kurz. Um 8:00 Uhr musste ich bereits von meiner letzten Trainingseinheit vor dem Halbmarathon am Sonntag zurück sein und entsprechend zeitig aufstehen.


Um 10:00 Uhr haben wir uns mit den anderen 4 Dresdner Läufern und einer Handvoll Vertretern des ehrenamtlichen Vereins "Dresden Sister City" getroffen. Wir haben gemeinsam die Stadt erkundet: Wir haben das "State House" (vergleichbar mit dem Landtag) besucht und haben in großer Runde im Restaurant "Dempsey's" Mittag gegessen. Der gemeinsame Abschluss war eine Flanierrunde im "North Market", einem Verbund 35 regionaler, unabhängiger voneinander arbeitender Anbieter von Delikatessen.


Dann konnten wir das erste mal echte "Läufer-Luft" schnuppern. Auf der Läufermesse, bei der sich auch viele bekannten Sport-Anbietern präsentierten, wurden die Start-Unterlagen ausgegeben. Diese haben wir freudig in Empfang genommen und wir haben festgestellt, dass eine amerikanische T-Shirt-Größe "large" deutlich größer ist, als eine europäische "L".


Nachdem wir dann noch zu dritt intensiv die Messe inspizierten, mussten wir uns um die Kohlenhydrat-Aufnahme kümmern. Nichts leichter als das: Der nächste Italiener war nicht weit entfernt und wir aßen im "Buca di Beppo" - einem sehr urig und liebevoll eingerichtetem Restaurant - unsere Pasta.


Abends dann ein weiteres sportliches Highlight aus der Zuschauer-Perspektive:

Nachdem ich bereits in Chicago die Bulls Basketball (NBA) und die Cubs Baseball (MLS) spielen gesehen habe, ging es heute mit Becky und Rick zu den Columbus Blue Jackets (CBJ) in die NHL, um Eishockey zu schauen. Die 5. Niederlage (3:6) gegen Toronto im 5. Spiel der Saison tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch und wir genossen das Event. Interessant für mich, neben dem eigentlichen Spiel, waren die vielen Parallelen zu den Chicago Bulls: Großes Event, mit toller Stimmung, vielen Cheerleadern und verschiedenen Aktionen drumherum.

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Tag 8: Go, Bucks! (Columbus, Ohio, USA)

Nach unserem Eishockey-Event haben wir wieder die halbe Nacht geredet und es ging erst gegen 2:00 Uhr ins Bett. Entsprechend spät startete heute der Tag.


Um 12:00 Uhr haben wir uns in einer größeren Gruppe im "German Village" getroffen. Dieses wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern gegründet und wuchs bis zum Beginn des ersten Weltkriegs stark an. Sehenswürdigkeiten wie der Schillerpark mit einer Statue des deutschen Dichters und dem "Mädchen mit dem Regenschirm" oder der niedliche Buchladen "Bookloft" laden zum entspannten Flanieren ein. Im Café "Juergen's" gab es mit deutschen Backwaren den kulinarischen Abschluss des Treffens


Am frühen Abend bin ich mit Becky und Rick sowie mit Felix, einem anderen Dresdner Läufer, zum Football-Stadion gegangen. Da das Spiel der "Ohio Stats Buckeyes", das heimische Universitäts-Team, gegen Penn State erst 20:00 Uhr startete und der Lauf morgen schon um 7:30 Uhr losgeht, haben wir nicht das Spiel im Stadion gesehen, uns aber für den Empfang der Mannschaft und das Warm-up durch die "Marching Band", einer speziellen Ausprägung des Blasorchesters, entschieden (siehe Videos unten). Es war unglaublich, dass bereits dafür ein Basketball-Stadion gut gefüllt war.


Das eigentliche Spiel haben wir, zumindest teilweise, zu Hause im Fernsehen geschaut. Aktuell führen die Buckeyes mit 21:10. Bemerkenswert hier: Das Spiel der Uni-Mannschaft verfolgen allein im Stadion über 100-tausend Zuschauer, während lt. Wikipedia das größte Stadion in Europa, das Camp Nou in Barcelona, Platz für gerade mal knapp 99.000 Zuschauer bietet. Und das Spektakel drumherum ist gigantisch...

Und hier ein paar Videos:


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Tag 9: Bestzeit für meine Mädels (Columbus, Ohio, USA)

Heute war es endlich soweit: Der eigentliche Auslöser der Reise, der Halbmarathon, stand auf dem Programm. Bereits um 7:30 Uhr war das Startfeuerwerk angesetzt, sodass der Wecker um 4:15 Uhr klingelte. (Das Football-Spiel gestern ging übrigens bis ca. 23:30 Uhr.)

 

Das Thermometer zeigte 32° Fahrenheit (= 0° Celsius) an und die Fahrer mussten kräftig ihre Autos frei kratzen. Das war für uns Dresdner aber nicht so schlimm. Nicht (nur), weil unsere Gastfamilien uns nicht kratzen lassen wollten, sondern weil wir einen Zugang zum VIP-Zelt bekamen. Das war für ca. 50 Läufer - inklusive der Laufelite (es gab sogar einen neuen Streckenrekord) reserviert und schön warm, während die anderen ca. 18.950 Läufer frieren mussten...

 

Im 1. Startblock (A) überquerte ich um 7:32 Uhr die Startlinie und es ging mit Feuerwerk los. Ein unglaubliches Rahmenprogramm begleitete uns kontinuierlich auf der Strecke: Bands, Zuschauer, DJs, Verpflegungsstände und, und, und. Alles war vorhanden.

 

Besondere Highlights waren jedoch die Kinder (Patienten) des "Nationwide Children's Hospital" (Kinderkrankenhaus). Jede Meile wurde einem Kind gewidmet und es wurde Einblick in die Schicksale der noch so jungen Menschen gegeben. Bspw. gab es ein kleines Mädchen, das mit 12 Jahren einen Tumor der Größe einer Walnuss hatte und 1 Jahr nach der Behandlung als geheilt galt. Die Kinder waren an der Strecke präsent und die Läufer konnten, so sie denn wollten, mit ihnen und den Helfern / Pflegern abklatschen. Ich habe kein Kind verpasst! Es war schön, das Leuchten in ihren Augen zu sehen.

 

Für mich waren die Kinder äußerst bemerkenswert und der Lauf wurde so besonders emotional. Als junger Papa hat mich das nicht kalt gelassen, sondern vielmehr zum Nachdenken angeregt. Es hat mir gezeigt, wie gut es uns als kleine Familie geht und wie dankbar wir sein können, dass es uns Dreien so gut geht und an nichts fehlt. Ich hoffe, das bleibt auch so. Nicht nur deswegen bin ich heute für meine beiden Mädels gelaufen, habe ganz oft und intensiv an sie gedacht und hatte fast durchgehend ein genussvolles Lächeln im Gesicht. :-)

 

Um 9:06 Uhr bin ich mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 1:34:30 h im Ziel angekommen(*). Mit der 1:35:00 h hatte ich zwar geliebäugelt, hätte ein Unterbieten jedoch nicht ernsthaft für möglich gehalten. Dennoch ist es so gekommen und ich bin überglücklich. Und dass die Zeit nicht von schlechten Eltern ist, zeigt auch das Gesamtergebnis: Von 10.314 Läufern bin ich als 303. ins Ziel gekommen... Wow. :-)

 

Nach dem Lauf ging es erst einmal zurück ins VIP-Zelt, wo eine  intensive Massage auf mich wartete. Fast 20 Minuten wurden meine Beine durchgeknetet und es war eine Wohltat. Zur Belohnung "celebrating Sunday" haben Becky, Rick und ich uns ein Essen im nahegelegenen "Beechwold Diner" gegönnt, bevor Rick und ich im "Easton Town Center", einer großen, als Kleinstadt angelegten, Mall shoppen waren. Dort habe ich auch etwas Unglaubliches entdeckt: Es gibt in Amerika für die Autofahrer die Möglichkeit, wie an einer Tankstelle an Automaten heranzufahren und aus dem Fenster heraus, ohne aussteigen zu müssen, Geld abzuheben. Unfassbar.

 

Zum Abend gab es noch ein weiteres Highlight. Extra für mich haben Becky und Rick die Vorbereitungen auf Halloween (Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November) nach vorn gezogen. Gemeinsam mit Freunden haben wir Kürbisse ausgehöhlt und ausgeschnitten, sodass Kerzen in den Korpus gestellt werden und Gesichter in die Nacht grüßen können. Die Bastelei ist uns super gelungen und wir hatten in geselliger Runde viel Spaß.

 

@Ronald:
Lt. Hochrechnung (t1' = t1 * (s2 / s1)^k) und unter Berücksichtigung des Ermüdungskoeffizienten (k) von 1,07 hätte ich mit meiner heutigen Form auf den Marathon eine Zeit von unter 3:20 erreicht...

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Tag 10: Ein Abschluss mit Frischluft (Columbus, Ohio, USA)

Nachdem wir heute ausgeschlafen hatten, ging es zu dritt ins ca. 65 Meilen (ca. 100 km) entfernte Naturreservat "Hocking Hills" nach "Old Man's Cave" und "Conkle's Hollow". Felix (ein anderer Dresdner Läufer), Dan und ich sind mehrere Stunden durch die wunderschöne Landschaft spaziert und haben die frische Luft und die Umgebung sehr genossen.


Im direkten Anschluss fand ein Empfang für die Helfer und Gastfamilien des Marathon-Austauschs statt. Dorit, gebürtige Meißnerin und Hauptorganisatorin, begleitete den offiziellen Teil und führte durch den Abend. Selbst ein intensives Fotoshooting wurde durchgeführt. :-)


Später fanden Becky und Rick noch Zeit, mit mir den weiteren Abend zu verbringen. Gemütlich am Feuer sitzend, gab es für "the German" noch den amerikanischen Zucker-Schock:
Marshmallows und "S'Mores" (von "some more's" - warme Marshmallows mit einem Stück Schokolade auf süßem Keks) standen auf der Speisekarte. Nebenbei präsentierte ich den Beiden in einer kurzen Zusammenfassung die wesentlichsten Erlebnisse der dreimonatigen Elternzeit mit dem Fahrrad.

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