Zugspitze '17: Tag 09 - Lauf auf die Zugspitze V2 (46,7 km)

Nachdem es am vergangenen Sonntag mit Johannes leider nicht geklappt hat, die Zugspitze (mindestens bis Sonnalpin) zu erlaufen, habe ich heute einen zweiten Versuch gewagt. Das Wetter war einfach zu einladend, die Sonne zu strahlend und das Ziel zu greifbar. Dieses mal ging es mit deutlich mehr Gepäck auf den Weg zu Deutschlands höchstem Gipfel...

In Vorbereitung auf den heutigen zweiten Versuch, habe ich mich mit verschiedenen Personen (Ansprechpartner am Sonnalpin; Wanderer, der zum Sonnalpin aufgestiegen ist) abgestimmt. Das Ergebnis lautete:

  • Lawinen sind keine große Gefahr, da die großen Lawinen bereits abgegangen sind.
  • Der Aufstieg bis zur Knorrhütte ist kein Problem (so hatten es Johannes und ich auch wahrgenommen)
  • Ab Knorrhütte wird es sehr winterlich und man trifft auf eine Menge Schnee

Mit diesen Erkenntnissen habe ich mich im Bergsteigerladen "WN alpin" in Garmisch (absolute Empfehlung!) beraten lassen und mir letztlich ein paar Schneeschuhe (Firma tubbs, Modell Mount Mansfield) ausgeliehen. Und sollte es nicht so klappen, wie ich es mir vorgestellt habe, bliebe mir immer das Umdrehen oder vom Sonnalpin mit der Zugspitzbahn Heimfahren.

Nachdem ich die erste Herausforderung, die Schneeschuhe am Ultraleichtrucksack anzubringen, gemeistert hatte, brach ich um 7:30 Uhr zur Tour auf. An der Partnachklamm traf ich Werner (Besitzer des Bergsteigerladens) mit Frau Claudia und Sohn Christoph. Wir nahmen uns gern ein paar Minuten Zeit, um ein bisschen zu schwatzen. Dann ging es hoch motiviert weiter. Um 9:45 Uhr war ich an der Reintalangerhütte (2:05 netto).

10 Minuten (und eine Apfelschorle) später ging es weiter in Richtung Knorrhütte. Diese erreichte ich gegen 11:00 Uhr und legte einen kurzen Stop ein, um auf die sommerlichen kurzen Laufsachen eine dünne aber lange Schicht zu ziehen. Die ausgeliehenen Schneeschuhe hielten brav an meinem Rucksack und kamen ein paar hundert Meter weiter zum Einsatz. Das Gelände blieb vom Anstieg in etwa wie unterhalb der Knorrhütte, war nun aber winterlich weiß. Das Laufen in Wander- oder Trailschuhen wäre sicher prinzipiell möglich, aber sehr beschwerlich und frustrierend gewesen.

Unterwegs traf ich ein paar Jungs aus Aschaffenburg. Gemeinsam genossen wir die Umgebung und die fantastische Atmosphäre. Und immer wieder wurde ich um meine Schneeschuhe beneidet: "Des is a gscheite Idä gwen." Um 12:45 Uhr bin ich dann gemütlich am Sonnaplin angekommen.

Eine wichtige Entscheidung hatte ich hier zunächst zu treffen: Was mache ich mit meinem Geld? Investiere ich es in eine Talfahrt mit der Zugspitzbahn (31,50 Euro)? Oder nutze ich es, um mich zu stärken und zu Fuß wieder hinunter zu laufen? Ich entschied mich für Kaiserschmarrn, Almdudler und alkholfreies Hefeweizen - also den Rückweg per pedes. Erstaunlich ist, dass die Alpendolen offenbar dermaßen an die Touristen gewöhnt sind, dass sie sich in weniger als Armlänge zu mir an den Tisch gesetzt und die Reste meines Essens verspeist haben.

13:30 Uhr war ich wieder auf dem Heimweg. Jetzt kam der spaßigste Teil: Mit Schneeschuhen bergab gehen. Solange das Gelände nicht zu steil ist, ist das eine Mordsgaudi. Lange Schritte, im Schnee gleiten und gefühlt ohne viel Anstrengung schnell voran kommen. Einfach herrlich. Eine Dreiviertelstunde war ich schneller und bereits um 14:30 Uhr an der Knorrhütte. Und da musste ich unterwegs die Schneeschuhe noch an den Rucksack basteln. :-)

Auf die Pause an der Knorrhütte habe ich verzichtet und bin direkt weiter ins Tal. Unterwegs habe ich versehentlich mal die leichteste Route verpasst und bin in gerölliges Gelände gekommen. Aber dank Navi wusste ich, dass ich mich auf einer bekannten Strecke befand. Um 15:30 Uhr war ich dann an der Reintalangerhütte und genoss die mittlerweile üblichen 10 Minuten Pause mit einer Apfelschorle (wie auch schon auf meiner 50km-Runde vor ein paar Tagen).

So richtig Lust auf Laufen hatte ich mittlerweile nicht mehr, war doch der spannendste Teil vorbei. Trotzdem - schlapp machen gilt nicht. Also ging es weiter nach Garmisch. Noch 16 Kilometer und (fast) immer bergab - so der Plan. An der Bockhütte traf ich wieder auf Werner und Claudia vom Bergsteigerladen und wir plauderten ein paar Minuten. Das tat gut und motivierte mich für die letzten 10 Kilometer!

Da ich die Partnachklamm nun bereits 4x in diesem Urlaub gesehen hatte und ich wusste, dass es eine Alternativstrecke über die Partnachalm gibt, die von der Distanz nicht viel (ca. 1,5 km) länger ist, habe ich mich kurzfristig für Plan B entschieden. Was mir nicht bewusst war, dass der Unterschied vor allem in den Höhenmetern (ca. 260 Hm) lag. So kam ich nicht drumherum und musste noch ein paar deutliche Anstiege in Kauf nehmen. Letztlich habe ich es gemeistert und bin gegen 18:00 Uhr zurück an der Ferienwohnung gewesen.

Nun hieß es erst einmal herunterfahren und Bestandsaufnahme machen. Tut mir irgendetwas weh? Und wenn ja, was?

  • Kopf: in Ordnung
  • Arme: fit.
  • Rücken: der fühlte sich etwas komisch an - vermutlich eine Druckstelle von den doch relativ schweren Schneeschuhen am Rucksack - aber alles im grünen Bereich.
  • Füße / Beine: ein bisschen schwer, aber insgesamt fit

Doch Moment mal: Offenbar hatte ich am Morgen beim Nutzen der Sonnencreme meine Beine vergessen. Diese waren nun unterhalb der Hose und oberhalb der Socken unglaublich rot und fingen an stark zu brennen. Herrje - nun habe ich mir aus eigener Doofheit einen kräftigen Sonnenbrand geholt...

Nach einer ordentlichen Portion Kartoffeln mit Quark ging der ereignisreiche Tag auch schon dem Ende entgegen. Eine kleine Runde Spazierengehen war aber noch drin. Also gingen Alma und ich noch eine Runde "Steinchen in die Partnach werfen". Im Fluss konnte ich wunderbar meine "heißen Waden" abkühlen - Kneipp hätte seine Freude gehabt.

Die Etappen laut Aufzeichnung mit Uhr Garmin fenix 3 und Auswertung mittels Garmin Basecamp:

# Start Ende Dauer Abschnitt Distanz (Hm)
01 7:29 Uhr 9:41 Uhr 2:12 h Garmisch > Partnachklamm > Reintalangerhütte 15,9 km (+752 Hm, -119 Hm)
02 9:41 Uhr 9:48 Uhr 0:07 h Pause Reintalangerhütte -
03 9:48 Uhr 10:59 Uhr 1:11 h Reintalangerhütte > Knorrhütte 3,6 km (+652 Hm, -2 Hm)
04 10:59 Uhr 11:06 Uhr 0:07 h Pause Knorrhütte -
05 11:06 Uhr 12:41 Uhr 1:35 h Knorrhütte > Zugspitzplatt / Sonnalpin 3,3 km (+523 Hm, -9 Hm)
05a 11:17 Uhr 11:23 Uhr 0:06 h Anschnallen der Schneeschuhe -
Σ auf 7:29 Uhr 12:41 Uhr 5:12 h Gesamt Aufstieg (brutto) 22,8 km (+1.927 Hm, -130 Hm)
Σ auf     4:52 h Gesamtzeit Aufstieg (netto)  
 
06 12:41 Uhr 13:24 Uhr 0:43 h Pause Zugspitzplatt / Sonnalpin -
 
# Start Ende Dauer Abschnitt Distanz (Hm)
07 13:24 Uhr 14:28 Uhr 1:04 h Zugspitzplatt / Sonnalpin > Knorrhütte 3,0 km (+7 Hm, -511 Hm)
07a 14:08 Uhr 14:22 Uhr 0:14 h Abschnallen + Befestigen der Schneeschuhe -
08 14:28 Uhr 15:26 Uhr 0:58 h Knorrhütte > Reintalangerhütte 3,5 km (+1 Hm, -650 Hm)
09 15:26 Uhr 15:37 Uhr 0:11 h Pause Reintalangerhütte -
10 15:37 Uhr 18:00 Uhr 2:23 h Reintalangerhütte > Partnachalm > Garmisch 17,4 km (+256 Hm, -876 Hm)
Σ ab 13:24 Uhr 18:00 Uhr 4:36 h Gesamt Abstieg (brutto) 23,9 km (+264 Hm, -2.037 Hm)
Σ ab     4:11 h Gesamtzeit Abstieg (netto)  
 
# Start Ende Dauer Abschnitt Distanz (Hm)
Σ 7:29 Uhr 18:00 Uhr 10:31 h Gesamt (brutto) 46,7 km (+2.191 Hm, -2.167 Hm)
Σ     9:03 h Gesamtzeit (netto)  

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Kommentare: 2
  • #1

    Johannes (Dienstag, 30 Mai 2017 13:50)

    Na endlich! Klingt toll! � Bitte noch Fotos von den Schneeschuhen posten...

  • #2

    Olli (Mittwoch, 31 Mai 2017)

    Hallo Johannes, danke für dein Feedback. :-)

    Mehr als den Link vom Hersteller habe ich auch nicht: http://www.tubbssnowshoes.com/snowshoes/mount-mansfield-m

    Die Bilder von denen werde ich nicht ohne weiteres verwenden dürfen. Ich kann nur sagen, dass die Schneeschuhe in etwa 2 kg wogen und außen mit 2 Klettbändern und einem Schnürsenkel am Rucksack befestigt waren - etwas hemdsärmelig vielleicht, aber andere Materialien hatte ich nicht zur Verfügung. Und es hat gehalten. :-)